Die Archivgruppe des Heimatvereins Erle

In großer Runde sitzen im Heimathaus des Heimatvereins Erle zehn Frauen bei Geburtstagstorte und Kaffee. Die Koffieköppkes (Kaffeetassen) machen ihrem Namen alle Ehre. 2015 hat sich die Fotogruppe des Heimatvereins diesen plattdeutschen Namen gegeben, denn zu Beginn des monatlichen Treffens an jedem 3. Mittwoch um 15.00 Uhr gibt es zum Einstieg immer eine Kaffeetafel. Zurzeit arbeiten 13 Frauen und ein Mann in der Gruppe mit, die meisten sind schon über 80 Jahre alt. Die Gruppe wird seit vielen Jahren von Hildegard Gülker und Hedwig Rentmeister geleitet und betreut. Ingrid Horstmann ist vor allem für die sprachliche Gestaltung zuständig. Weitere Mitglieder sind: Margret Angrick, Marianne Müller, Ulla Meyerratken, Hanni Krusenbaum, Monika Heßling, Agnes Gröniger, Agnes Kuhlmann, Elisabeth Hörnemann, Gisela Wenzel, Charlotte Meiners und Bernd Cluse.

Die Koffieköppkes bei der Arbeit: v. l. Margret Angrick, Elisabeth Hörnemann, Hanni Krusenbaum, Gisela Wenzel, Ingrid Horstmann, Agnes Kuhlmann, Gertud Cluse, Monika Heßling, Charlotte Meiners, Hedwig Rentmeister

Nach Kaffee und Kuchen geht es an die Arbeit. Insgesamt 17 Aktenorder mit an die 2000 Fotos haben die Frauen und Männer aus Erle in den letzten 30 Jahren archiviert, d. h. Jahr/Datum, Anlass, Ort und Personen zu den Fotos ausfindig gemacht und unter die auf Blätter geklebten Fotos vermerkt. Die Bilder bekommen sie von Erler Familien, häufig auch aus Nachlässen. Wollen Familien die Bilder zurückhaben, werden Kopien angefertigt. „Bei einigen Fotos dauert es lange, bis wir das Foto datiert und alle Personen und den Anlass identifiziert haben“, berichtet Gertrud Cluse.

Die Stellmacherei Meiners mit identifizierten Daten
(In der letzten Zeile muss es 1858 heißen, nicht 1958)

Die erste Generation der Fotoforscher:innen, die Personen auf Fotos aus dem 19. Jahrhundert noch persönlich gekannt haben, ist mittlerweile verstorben. In den 1990er Jahren konstituierte sich die Gruppe als Brauchtumsgruppe. Es wurden Texte über das Alltagsleben, besondere Ereignisse und Bräuche auf dem Dorf in der Vorkriegszeit vornehmlich auf Platt verfasst, vor allem von Dr. Elisabeth Schwane (+ 2015), auf Brauchtumsabenden vorgetragen und in Büchern und dem Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck veröffentlicht. Auch eine CD mit dem Titel „Kindersäägen“ wurde herausgegeben. Die Fotoarbeit rückte dann allmählich  in den Vordergrund. Andreas Cluse hat damit begonnen, die Fotos systematisch zu digitalisieren.

Die Brauchtumsgruppe in den 1990er Jahren: vorn v. l. Dr. Elisabeth Schwane, Hanni Kruse, Anna Pieper, hinten v. l. Franziska Frerik, Josefine Koch, Elisabeth Kuhlmann

Seit 20 Jahren werden auch Totenzettel archiviert. Der älteste stammt aus dem Jahre 1868. Zurzeit füllen sie vier Ordner. „Es lässt sich ein enormer Wandel bei der Gestaltung der Totenzettel feststellen. Bis vor 100 Jahren wurden verstorbene Ehefrauen oft in erster Linie mit dem Namen ihres Mannes genannt, z. B. „Ehefrau Johann Wilms“, (+ 1878) und die Texte waren lange ausschließlich religiös geprägt. Mittlerweile gibt es auch Zettel ohne religiösen Bezug und Ehefrauen haben sich von ihren Männern namentlich längst emanzipiert“, stellt Gisela Wenzel fest.

Totenzettel: Frauen wurden häufig ganz patriarchalisch durch ihren Mann definiert

Das dritte Betätigungsfeld der Koffieköppkes ist nach wie vor das kirchliche und weltliche Brauchtum. Es sind unterhaltsame Texte über Weihnachten früher, die Kookendaage um die Jahreswende, den Gang nach Emmaus, die Pingsterbruut, Fronleichnam, den Versehgang sowie plattdeutsche Redensarten verfasst worden, die zu verschiedenen Anlässen vorgetragen oder in den Oster- und Weihnachtsjournalen der Pfarrgemeinde veröffentlicht werden.

Aber auch als Zeitzeugen sind die Koffieköppkes gefordert. Ganz aktuell haben sich Gertrud Cluse und Hedwig Rentmeister bereit erklärt, am 24. März auf der geplanten Gedenkveranstaltung zur Bombardierung Erles am 23.3.1945 in der Kirche über diesen schrecklichen Tag zu berichten. Denn dieses Ereignis hat sich den damals Fünf- und Sechsjährigen unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt.

Unter diesem Motto stand der plattdeutsche Nachmittag des Heimatvereins Erle. Und in der Tat gelang es den Kindern und Jugendlichen der „Grooten Brejpottspöllers“ (Plattdeutsch-AG des Heimatvereins Erle) mit ihrem bunten und humorvollen Sketchen aus dem Schulleben früher und heute und mit originellen und ironischen Familienszenen aus dem Alltag das Leben der Anwesenden durch Lachen leichter zu machen.

De grooten Brejpottspöllers

In kurzen Auftritten spielten sie selbst erdachte Stücke. Besonderen Applaus bekam das Stück „Tresken un Mathilde up denn Marktplatz“, mit dem sie beim plattdeutschen Wettbewerb des Kreises Borken den 1. Preis errungen hatten. Bei dem Sketch geht es um die Suche nach einen geeigneten neuen Bürgermeister.

De Nahhölpestunne

Ein aktuelles Problem griff der Sketch „Vorstellungsgespräch“ auf. Viele Vereine suchen Nachwuchs für ihre Vorstände. Und so melden sich originelle Typen wie der Öko-Fuzzi, der zerstreute Professor oder die Mutter mir Kind zum Vorstellungsgespräch. Eine dastellerische Neuerung kreierten die Jugendlichen, indem sie zu dem „Erlsken Leed“ den Text pantomimisch veranschaulichten.

Das Erlske Leed in pantomimischer Darstellung

„Wi spöllt un lärt Platt daobi!“ Spölln un Lärn (learning by doing) – das ist das Ziel der AG. Die Freude, die sie dabei haben, konnten die Zuschauer spüren. Sie verabschiedeten die Akteure mit großem Applaus.

Alles begann damit, dass die Schützenbruderschaft St. Georgius Heiden-Leblich dem Allgemeinen Bürgerschützenverein Erle aus Anlass seines 125-jährigen Jubiläums 2020 einen Grenzpfahl schenkte. Dieser konnte aber wegen der Corona-Pandemie erst 2022 unter Teilnahme  der vier benachbarten Schützenvereine aus Leblich, Marbeck, Rhade und Erle am Werlo aufgestellt werden, wo die Grenzen der vier Orte an einer Stelle (Erle und Leblich bis auf wenige Meter) zusammentreffen. Ein Jahr später kamen eine von der Bürgerstiftung Raesfeld-Erle-Homer gestiftete überdachte Sitzgelegenheit und ein Fahnenmast hinzu. Nun vervollkommnet eine Geschichtstafel, die über die besondere Grenzsituation informiert, diesen Platz, der den Einheimischen als Treffpunkt und den Radwanderern auf der nahen 100-Schlösser-Route als Rastplatz dient.

Video von der Aufstellung auf der Homepage der Dorstener Zeitung (DZ+). Einloggen mit Mailadresse und Passwort erforderlich

https://www.dorstenerzeitung.de/raesfeld/infotafel-vierorte-eck-raesfeld-dorsten-borken-heiden-w809584-p-4000983276/

Die Idee einer Tafel

Die Idee, eine Info-Tafel dort aufzustellen, hatte der Präsident des Erler Schützenvereins Arno Brömmel. Er sprach den Heimatverein Erle an, der nach der Aufstellung von 16 Geschichtsstationen in Erle schon eine lange Erfahrung mit solchen Projekten hat. Arno Brömmel, Hannes Kempken und Carlo Behler setzten sich zusammen und überlegten, was auf solch einer Info-Tafel stehen könnte. Recht bald einigte man sich auf die Punkte: Darstellung der besonderen Grenzsituation und Anlass der Aufstellung, Vorstellung der vier Orte (Alter und Ortsnamen), Entwicklung der historischen Grenzverläufe und politischen Zuordnungen der Orte sowie die Einführung der preußischen Kreisordnung und die Eingemeindungen der Gemeinden in Nachbarorte.

Heinrich Horstamm und Hannes Nagel vom Heimatverein Erle befestigen die Tafel im Bodenanker
Arno Brömmel und Carlo Behler enthüllen die Tafel – Vorne der Grenzpfahl
Carlo Behler erläutert die Tafel

Vorstellung der Tafel

Arno Brömmel und Carlo Behler enthüllten dann gemeinsam die zuvor am Bodenanker festgeschraubte Tafel. Brömmel begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste aus Erle, Marbeck, Heiden und Rhade, darunter den Bürgermeister von Raesfeld Martin Tesing, den Bürgermeister von Heiden Dr. Patrick Voßkamp, den stellvertretenden Bürgermeister von  Borken Günter Stork sowie die Präsidenten der Schützenvereine Marbeck (Dirk Lanfermann) und Rhade (Siegfried Höller) und resümierte den Ausbau dieses Vierorte-Ecks zu einer Rast- und Begegnungsstätte. Behler, Historiker des Heimatvereins Erle, erläuterte anschließend den Informationstext auf der Tafel. Von den anliegenden Ortschaften ist Marbeck der älteste Ort. Schon im 10. Jahrhundert wird die Bauernschaft „Marckapu“ im Kirchspiel Borken erwähnt, erst um 1805 ist sie Bezeichnung Marbeck beurkundet. Beides heißt Grenzbach oder Waldbach. Erle (entweder Erlenwald oder Sand/Erdwald) taucht gesichert um ca. 1150 im Werdener Urbar auf. Rhade wird 1217 zum ersten Mal als „Rothe“ (Rodungssiedlung) erwähnt und Leblich 1336 als „Libellich“, was vermutlich auf einen Eigennamen zurückzuführen ist.

Die Tafel informiert über die Geschichte der Grenzsituation an dieser Stelle

Seit dem Mittelalter gehörten Marbeck und Heiden-Leblich zum Gogericht Homborn und Erle und Rhade zur Herrlichkeit Lembeck, beides Gerichts- und Verwaltungsbezirke des Amtes Ahaus im Fürstbistum Münster. Nach der napoleonischen Zeit wurde Westfalen preußisch. Preußen führte 1816 die Kreisordnung ein und so kamen Marbeck und Heiden-Leblich zum neu gegründeten Kreis Borken und Erle und Rhade zum Kreis Recklinghausen. Die letzte Veränderung gab es mit der Eingemeindung von Marbeck nach Borken (1969), Erle nach Raesfeld (1975), was mit Wechsel in den Kreis Borken verbunden war, und Rhade nach Dorsten (1975). Die Zuordnungen wechselten im Laufe der Jahrhunderte, aber die Grenzverläufe blieben in etwa gleich. 

Eine Karten aus dem Geodatenatlas, eine historische Karte des südlichen Fürstbistums Münster sowie eine allgemeine Karte des Städteverlags veranschaulichen auf der Tafel die Grenzverläufe und Gebietszuordnungen im Laufe der Jahrhunderte.

Arno Brömmel (rechts) hatte die Idee einer Tafel und Carlo Behler (links) führte sie aus
v. l.: der stellvertretende Bürgermeister von Borken Günter Stork, der Bürgermeister von Raesfeld Martin Tesing, der Bürgermeister von Heiden Dr. Patrick Voßkamp, Carlo Behler (Historiker des Heimatvereins Erle), der Präsident des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Erle Arno Brömmel und Sponsor Wenzel Schwering
Die Gäste genossen die heißen und kalten Getränke

Ohne Sponsorengelder hätte die Tafel nicht aufgestellt werden können. So sponserten das Ministerium für Landwirtschaft über das Regionalmanagement der Region Hohe Mark (zu 75%) und der Erler Unternehmer Wenzel Schwering (zu 25%) das Projekt.

Bei einem allgemeinen Umtrunk konnten dann die Gäste trotz des nasskalten Wetters die Idylle des Rastplatzes genießen und sich über die Gott und sie Welt austauschen.

Auch der 2. Platz geht an die Erler Plattdeutsch-AG – Auftritt der Brejpottspöllerspöllers bei der KFD

Groß war die Freude bei den „grooten Brejpottspöllers“, als ihnen vom Landrat Dr. Kai Zwicker der erste und auch der zweite Preis beim Kreativwettbewerb des plattdeutschen Wettbewerbs der Kreisheimatpflege Borken für Kinder und Jugendliche verliehen wurde. Die Preisverleihung fand im Heimathaus in Wessum bei Ahaus statt.

Die Brejpottspöllers freuen sich über den ersten und zweiten Preis

Dieses Jahr gab es ein Novum. Alle Beiträge waren ausschließlich als Videos eingereicht worden. Neben dem traditionellen Lesewettbewerb gab es zum ersten Mal auch einen Kreativwettbewerb, der den Kindern die Möglichkeit eröffnete, selbst geschriebene Geschichten und Sketche zu inszenieren und im Video festzuhalten. „Das völlig neue, ausschließlich digitale Wettbewerbskonzept hält das Platt am Puls der Zeit und in der Öffentlichkeit präsent“, schreibt Kreisheimatpflegerin Christel Höing in einer Mitteilung des Kreises Borken.

Den ersten Platz von 11 eingereichten Beiträgen beim Kreativwettbewerb holten Marie Brunsbach und Fine Honvehlmann aus Erle mit dem selbst kreierten Sketch „Treseken un Mathilde up denn Marktplatz“. Bei dem Tratsch geht es um die Suche nach einem neuen Bürgermeister. Der Doktor, der Metzger und auch der Klempner werden als mögliche Kandidaten gehandelt. Antonia Vinken sowie Helene und Josefine Grotendorst belegten mit dem Stück „De Nahhölpe-Stunde“ neben der Anne-Frank-Realschule mit „Wat sollt´we bloß met düsse Klasse doan“ den zweiten Platz. In dieser „Nahölpestunde“ spielen urkomische Situationen aus dem Schulalltag einer Rolle. Der dritte Platz („Dr. Quacksalber“) ging nach Ottenstein. Preisgewinnerin Helene Grotendorst zeigte sich ganz überrascht über den Erfolg: „Wir freuen uns ganz doll über den Preis. Jetzt macht es noch mehr Spaß bei den Brejpottspöllers“. Und Ingrid Horstmann, die Leiterin der Plattdeutsch-AG Silvesterschule betonte: „Die Kinder haben sich alles selbst ausgedacht. Ich habe bei der sprachlichen Formulierung auf Platt nur hier und da mal korrigierend eingegriffen“. Die Sieger des Lesewettbewerbes: 1. Platz: Karlotta Mies (Vreden) mit „Das rosa Täschken“; 2. Platz: Lene Liesbrock (Ottenstein) mit „Gördnerlatin“ und 3. Platz: Kira Kappenhagen (Marbeck) mit „Dat Hundeläben“.

In beiden Wettbewerben spendierte die Sparkasse Westmünsterland für die ersten Plätze 200 € Preisgeld, für die zweiten gab es 100 € und für die dritten 75 €. Nach der Verleihung wurden alle anwesenden Teilnehmer im Heimathaus Wessum als Dankeschön für die Teilnahme zu Currywurst und Pommes eingeladen, was allen hervorragend schmeckte.

Currywurst und Pommes schmecken allen gut

Auftritt bei der KFD

In derselben Woche bereicherten die Brejpottspöllers die Jahreshauptversammlung der KFD durch insgesammt 7 Auftritte. Die Pointe des Stückes „Neggen Paor Klumpen“ , erfuhren die Zuschauer zum Schluss. Ein Junge hatte seine Klumpen nicht neben die anderen abgestellt, sondern war mit seinen ins Bett gegangen. So kamen die Kinder beim Zählen immer nur bis 9. Das Märchen vom dicken, fetten Pannekoken fand auch wegen der ulkigen Kostümierung der Tiere immer wieder seine Lacher. Die Szenen „Jo-annes“ und „In de Schole van fröher“ behandelten das mühsame Unterfangen der Lehrer, den nur platt sprechenden Kindern sauberes Hochdeutsch beibringen zu wollen. „Neue Technologien“ führten dazu, dass die Enkelin, die an Tablet und Smartphone gewöhnt ist, nicht mehr mit einem Buch umgehen kann. Mit dem Sketch „Nahhölpe-Stunde“ hatten die Brejpottspöllers den 2. Preis beim Kreativwettbewerb des plattdeutschen Wettbewerbs des Kreisheimatpflege Borken gewonnen (siehe oben). Beim Bewegungsrhythmus zeigten die Mädchen, dass sie multitaskingfähig sind. Mit dem Abschlusslied „Ick häw Kopppiene“ erheischten sich die Brejpottspöllers einen großen Korb voller Süßigkeiten als Dankeschön für ihre humorvollen Auftritte.

Die Kinder wundern sich, dass ein Paar Klumpen fehlt
Der dicke, fette Pankoken läuft auch dem Schwein Haff davon
De Nahölpe-Stunde
Die Kinder sollen Hochdeutsch sprechen
Alle Brejpottspöllers auf der Bühne

Mit der plattdeutschsprachigen Whatsapp-Gruppe „Bock op Platt küren“ möchte Mona Heynemann aus Löhne in Westfalen Menschen mittels Messenger zum Plattsprechen gewinnen. Das Besondere an der neuen Gruppe ist, dass ausschließlich Sprachnachrichten verschickt werden sollen. „Plattdeutsch ist meine Lieblingssprache“, sagt Mona Heynemann. Sie ist begeisterte Plattdeutschsprecherin und seit ihrer Geburt vollständig blind. Mit Hilfe ihres Handys mit Sprachassistent kann Mona Heynemann Sprachnachrichten für ihre plattdeutsche Whatsapp-Gruppe aufzeichnen.

Mona Heynemamm hört plattdeutsche Sprachnachrichten

„Digitale Sprachausgaben für Blinde und Sehbehinderte geben das Plattdeutsche nur auf sehr unbefriedigende Art und Weise wieder“, sagt Heynemann. Um sich trotzdem auch überregional mit Plattbegeisterten vernetzten zu können, kam ihr die Idee, die Sprachnachrichtenfunktion des Messengers Whatsapp zu nutzen.

Sprechhemmungen abbauen

Das Prinzip der Whatsapp-Gruppe ist demnach einfach. Plattexperten und Plattentdecker können einfach auf Plattdeutsch lossabbeln und so leicht mit anderen ins Gespräch kommen. Dies kann aufwachsend dazu beitragen, dass Unsicherheiten im Gebrauch der Sprache schneller überwunden werden.

Mona Heynemann richtet sich dabei ausdrücklich an alle Dialektvariamten des Niederdeutschen: „Die Whatsapp-Gruppe richtet sich an Blinde, Sehbehinderte und voll Sehende ab 18 Jahre, die Lust darauf haben, sich miteinander und von überall her auf Plattdeutsch zu unterhalten.“

Nettiquette einhalten

Die Gründerin freut sich darauf, neue Bekanntschaften zu machen und sich jederzeit mit netten Menschen auf Plattdeutsch austauschen zu können. Ihre Bitte für die Whatsapp-Gruppe ist, dass alle freundlich miteinander umgehen. Denn wenn sich das Plattdeutsche aus Löhne anders anhört als beispielsweise das aus Erle, kann dies nur ein Grund sein, sich über die Vielfalt und den Reichtum der Sprache zu freuen.

Mona Heynemann

Mit Einhaltung solcher Nettiquette bauen auch Spracheinsteiger schneller Hemmungen ab, vor anderen Plattdeutsch zu sprechen.
Alle, die der Gruppe beitreten möchten, senden eine Beitrittsanfrage an die Mobilfunknummer 0171 44 88 694.

Neue Schulausstellung eröffnet

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Besprechungsraum im Erler Heimathaus, als Klaus Werner zur Eröffnung der neuen Schulausstellung mit einem Bildvortrag in die Geschichte der Erler Schulen von den Anfängen des Unterrichts im 17. Jahrhundert bis zur Fertigstellung der Silvesterschule 1960 einführte. Da die Unterrichtung der Kinder in der Hand des Pfarrers lag, sind die Namen der ersten Schulmeister in der Pfarrchronik ab Ende des 17. Jahrhunderts überliefert. Sie waren in der Regel auch Küster und der Unterricht fand im ihrem Haus oder angemieteten Räumen statt. Er umfasste nur rudimentäre Kenntnisse im Lesen, Rechnen, Schreiben und der Glaubenslehre. Um ca. 1770 wurde ein erster kleiner Schulraum an die Kirche angebaut. Als dieser Raum zu baufällig wurde, entschlossen sich Pfarrei und Gemeinde 1815 in der Nähe der Kastanienalle ein erstes eigenständiges Schulgebäude zu bauen. Es wurde später nach dem langjährigen Lehrer Bernhard Kemper (1829 – 1849) und seiner späteren Nutzung als Scheune „Kempers Scheune“ genannt. Ein Lehrer wurde damals mit dem Schulgeld der Schüler, Zuwendungen aus der Gemeindekasse und dem Küsterland, das er selbst bewirtschaften konnte, entlohnt.

Mit der Zahl der Schüler wuchs die Zahl der Schulen und Lehrer. So wurden innerhalb von 24 Jahren noch drei weitere Schulen in Erle errichtet. Als die Schülerzahl Ende des 19. Jahrhunderts auf weit über 100 anstieg, baute man an der Dorstener Straße 1886 ein neues Schulgebäude für die Mädchen. (heute Bäckerei Spangemacher). Für die 93 Mädchen wurde zum ersten Mal eine Lehrerin eingestellt. 1893 bekamen auch die Jungen eine neue Schule, das jetzige Heimathaus. Schon 1909 benötigte man eine dritte Schule, die sogenannte dreigeschossige „hohe Schule“. Erst 1960 war die Silvesterschule bezugsfertig, in die alle Schüler gehen konnten.   

Drei Schulen auf einen Blick: v.l. Mädchenschule (heute Bäckerei), hohe Schule (1965 abgerissen), Knabenschule (heute Heimathaus)
Die Brejpottspöllers beim Sketch „Schule früher“

Im Anschluss an die Einführung spielten die „Brejpottspöllers“, die Kinder der Plattdeutsch-AG, in der historischen Schulstube zeitversetzt zweimal verschiedene Sketche zum Thema „Schule früher“. Zugleich konnten die Besucher sich die 14 Schautafeln der Ausstellung mit vielen Fotos der Schulen, der Lehrer und der Schulklassen anschauen. Bei Kaffee und Kuchen ließ man dann einen erfahrungsreichen Nachmittag ausklingen. 

Die Ausstellung fand reges Interesse

In den folgenden Monaten ist die Schulausstellung jeweils am ersten Sonntag im Monat von 15.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, das erste Mal also am 5. November. Klaus Werner wird dann vor Ort die Ausstellung erläutern. Es besteht dann auch die Möglichkeit für Kinder, aber auch für Erwachsene, unter der Leitung von Ingrid Horstmann in der historischen Schulstube den Sketch „Schule früher“ zu spielen. Bei entsprechender Nachfrage wird die Ausstellung auch an zusätzlichen Terminen geöffnet werden.

Nach 6 Jahren fand endlich wieder ein farbenfroher Erntedankumzug in Erle statt. Der Aufforderung des Veranstalters KLJB Erle-Rhade zur Teilnahme folgten am 8. Oktober 19 Nachbarschaften und Vereine. Sie zogen mit buntgeschmückten Wagen und Fußgruppen durch Erle. Der Heimatverein beteiligte sich mit drei Fußgruppen, die die Projekte des Vereins vorstellten.

Der Wagen des Veranstalters KLJB Erle-Rhade

Kinder und Eltern, die sich auf der Babywiese engagieren, dokumentierten auf einem Bollerwagen und Schildern die Vielfältigkeit ihrer Arbeit: Obstbäume pflanzen, Wildblumenwiesen für Insekten anlegen und Nistkästen für Vögel aufhängen.

Die Kinder und Eltern der Babywiese
Die Brejpottspöllers

Die Brejpottspöllers, die Plattdeutsch-AG für Grund- und Sekundarschüler, gingen in den Kostümen ihrer Märchen- und Sketchfiguren. Diese Märchen und Sketche führen die Kinder zu verschiedenen Gelegenheiten in plattdeutscher Sprache auf, die sie beim Einüben spielerisch lernen. Freigraf Bernd de Duiker und seine Freischöffen erinnerten an die Zeit des Spätmittelalters, als am Freistuhl zum Assenkamp an der Femeiche Verbrecher verurteilt wurden. Eine Nachbildung der Femeiche führten sie dabei auf einem Bollerwagen mit.

Das Femegericht
Der Heimatverein im Umzug

Die Throngemeinschaft des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Erle 2022/23 um König Andreas Cluse und Königin Annette Risthaus bedachte 6 Vereine und Einrichtrungen mit einer Spende jeweils in Höhe von 704 €. In diesem Jahr hatten die Frauen und Ehepartnerinnen des Throns an der Vogelstange die beeindruckende Summe von 4.224 € an Spenden für einen guten Zweck gesammelt. Diese Summe wurde nun aufgeteilt und an 6 Adressaten weitergereicht, darunter auch der Heimatverein Erle.

Die Thongemeinschaft 2022/23 mit Ehepartnern und Vertreter:innen der bedachten Vereine

Diese Tradition wurde vor 27 Jahren begründet. In früheren Jahren wurde der gesammelte Betrag vor allem an die Kinderkrebs-Hilfe in Weseke gespendet, die dieses Mal ebenfalls unter den Empfängern war. So viel wie in diesem Jahr kam noch nie zusammen. Deshalb hatte der Thron die Idee, die hohe Summe unter verschiedene Empfänger aufzuteilen, die sozial-karikativ oder kulturell ehrenamtlich für die Gemeinschaft tätig sind. Jedes Thronmitglied durfte einen Adressaten für die von Brigitte Brömmel, Christa Roring, Marita Steinkamp, ​​Ulla Uhlenbrock, Monika Cluse und Königin Annette Risthaus gesammelte Spendengeld benennen. An folgende Vereine wurde die Spende mittels Spendenscheck symbolisch überreicht:

  • Heimatverein Erle
  • Erler Jäger
  • TrauerHalt
  • Lebenshilfe Borken und Umgebung
  • Horizont-Kinderkrebshilfe Weseke
  • Förderverein Hospizbewegung Stadtlohn

Zu der Veranstaltung für Familien hatten sich auf der Babywiese ca. 60 Teilnehmer (vor allem Baumpatenkinder mit ihren Eltern) eingefunden. Bei herrlichem Wetter machte es den Kindern und Erwachsenen auf der Wiese großen Spaß, bei den Reigen- und Singspielen mitzumachen oder sich bei den Wettspielen zu messen.

Bei den Reigenspielen traten die Protagonisten in entsprechender Kostümierung auf, wenn zum Beispiel der Schornsteinfeger spazieren ging, Dornröschen hundert Jahre schlief oder das Häschen in der Grube saß.

Dornröschen und der Prinz feiern ein Hochzeitsfest

Besonders das Sackhüpfen, Schubkarrenrennen und Eierlaufen führten zu Lachern, wenn die Teilnehmer „verunfallten“, und bescherten den Siegern großen Applaus. Beim Wikingerschach und beim Völkerball wurde mit großem Einsatz um den Sieg gekämpft.

Die Väter messen sich beim Sackhüpfen
Beim Schubkarrenrennen liegen alle noch gleichauf
Das Völkerballduell war lange umkämpft

Hedwig Rentmeister brachte den Kinder Fingerstricken mit Wollresten bei. Und so entstand manch buntes Freundschaftsbändchen.

Beim Fingerstricken

Eine Familie mit Wurzeln in Erle war extra aus Düsseldorf angereist und begeistert von dem bunten Treiben im Schatten der Erler Mühle. Anton (9) gefielen die Reigenspiele am besten: „Vielleicht nicht besser als Switch zu spielen, aber gleichauf“, und Jan (9) fand: „Die Mannschaftsspiele haben mir am meisten Spaß gemacht, es war ein tolle Gemeinschaft“. Bei Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken konnten sich die Gäste zwischendurch stärken.

Vereinsvorsitzender Norbert Sabellek war sehr zufrieden mit dem Spielenachmittag, denn es kamen mehr Teilnehmer als erwartet.

Für die Zuschauer war eine Tribüne unter Zelten aufgebaut

Nach vier Jahren wurde in Erle wieder das traditionelle Sommerfest im Verbund mit einem Sommermarkt veranstaltet. Der Heimatverein beteiligte sich wieder mit einem Salat- und Dessertbüffet sowie zwei Auftritten der Brejpottspöllers. Zudem wurde die Sonnenuhr am Silversterhaus von Pastor Dr. Tilling eingeweiht.

Das Sommerfest begann bei herrlichem Wetter mit einem Gottesdienst auf dem Schulplatz. In seiner Predigt ging Pastor Tilling auf die neue Sonnenuhr ein. Dieser jahrtausendealte Zeitmesser nutze die kostenlose Kraft der Sonne und symbolisiere die Abhängigheit der Menschen von der Natur. Anschließend wurde die Sonnenuhr den Erlern an Ort und Stelle an der Südwand des Silvesterhauses vorgestellt, wo sie am Donnerstag zuvor angebracht worden war.

Hannes Nagel bringt die Sonnenuhr am Silvesterhaus an

Johannes Kempken, der die Idee einer Sonnenuhr für Erle hatte, erläuterte den Werdegang dieses Projektes und seine Funktionsweise. Der Schatten einer Kugel zeigt auf den senkrecht verlaufenden roten und blauen Stundensschleifen die Uhrzeit und auf den horizontal verlaufenden geschwungenen Datumslinien ungefähr das Datum an.

Hannes Kempken erklärt, wie man die Sonnenuhr zu lesen hat

Pastor Dr. Tilling sprach anschließend ein Gebet und weihte die Sonnenuhr mit Weihwasser. Der unter der Sonnenuhr angebrachte QR Code führt den Betrachter zu einer ausführlichen Erklärung der Funktionssweise der Sonnenuhr hier auf der Homepage (nebenan) des Heimatvereins Erle.

Pastor Dr. Tilling segnet die Sonnenuhr

Seit etlichen Jahren bietet der Heimatverein selbst hergestellte Salate und Desserts an. Sie fanden auch dieses Jahr wieder guten Absatz.

Am Büffet konnte man sich bedienen oder wurde bedient

Nachmittags erfreuten die Brejpottspöllers die zahlreichen Gäste mit zwei unterhaltsamen Märchenaufführungen. Die kleinen Brejpottspöllers führten auf Erler Platt das Märchen „Schneewittken“ und die großen Brejpottspöllers das Märchen „Hase un Eggel“ auf und bekamen für die gelungenen Darbietungen in farbenfrohen Kostümen großen Applaus.

Die sieben Zwerge beweinen das tote Schneewitken
Der Igel und seine Frau überlisten den Hasen beim Wettlauf