Herbstfest beim Heimatverein Erle

„Rund um den Apfel“, unter diesem Motto stand dieses Jahr das Herbstfest der Obstbaumpat*innen und ihrer Familien. Witterungsbedingt fand die Veranstaltung nicht auf der „Babywiese“ inmitten der von und für die Kinder gepflanzten Ostbäumchen statt, sondern in der Pausenhalle der Silvesterschule. Mit Herbstliedern wie „Bunt sind schon die Wälder“ und „Wenn die wilden Winde stürmen“ stimmte der Vorsitzende des Heimatvereins Norbert Sabellek mit Gitarrenbegleitung die Teilnehmer auf den Herbst ein. Zum Kaffee und Kaltgetränken gab es Apfelkuchen in allen Variationen. Mit dem lustigen plattdeutschen Singspiel „Will no Appels plücken“ führten die Kinder vor, wie man mit der Leiter die Äpfel vom Baum pflückt.

„Will no Appels plücken“

Auch beim Spiel „Schule früher“ in der historischen Schulstube war der Apfel Unterrichtsthema. Höhepunkt der Veranstaltung war das manuelle Pressen von Apfelsaft. Die Kinder lernten, welche Arbeitsschritte dazu erforderlich waren.

Hier wird gleich Apfefsaft gepresst: links: die Häckselmaschine, vorne: die Obstpresse
Die auf Streuobstwiesen gesammlten Äpfel werden gesäubert und zerteilt.
Den Kindern machte es einen Riesenspaß, die Kurbel der Häckselmaschine zu bedienen, in der die Äpfel zerstückelt wurden.
Wieder war ihre Muskelkraft gefragt, in der Obstpresse aus dem Apfelbrei mittels Kurbeln den Saft herauszupressen.
So wurden aus dem Obst etwa 10 Liter frisch gepresster Saft gewonnen.

Der Saft mundete Groß und Klein hervorragend. Von Imkerfamilie Heider konnte Honig von den Bienen auf der „Babywiese“ erworben werden. Den Abschluss bildete das gemeinsame Lied „Dank für die Sonne, Dank für den Wind, Dank für die Menschen, die um mich sind.“

Der Apfelkuchen schmeckte auch den Erwachsenen.
Walter Biermann (links) überreicht Norbert Sabellek das Fragment eines
steinzeitlichen Steinbeils.

Der Heimatforscher Walter Biermann ist ein Sammler von Büchern, Bildern und Dingen, die uns aus der Geschichte unserer Heimat und ihrer Umgebung erzählen. Der Heimatforscher Walter Biermann ist ein Sammler von Büchern, Bildern und Dingen, die uns aus der Geschichte unserer Heimat und ihrer Umgebung erzählen. Die Sammlung der Dinge, die das alte und neue Herrlichkeitsdorf Erle betreffen, hat Walter Biermann aus Altersgründen dem Heimatverein Erle angeboten. Norbert Sabellek, 1. Vorsitzender des Heimatvereins Erle, hat dieses einmalige Angebot spontan angenommen. Im Erler Heimathaus kann hierdurch die Sammlung des Vereins durch Bilder, auch in digitaler Form, Postkarten, Bücher und das
Fragment eines Steinbeils, gefunden in dem Bereich südlich von Erle, weiter vervollständigt werden.
„ Postkartenansichten aus dem Erle vor mehr als 100 Jahren waren mir so noch nicht bekannt, “ zeigte sich N.Sabellek. Der Heimatverein Erle sagt W. Biermann herzlichen Dank für die außergewöhnliche Spende.

Steinbeilfragment

Aufführung der „Brejpottspöllers“ auf dem Sommerfest in Erle

Astrid Lindgrens Roman ist in 52 Sprachen übersetzt sowie vertont und verfilmt worden. Nun gab es einen Streich des kleinen Michel aus Katthult zum ersten Mal auch in Erler Platt zu sehen und zu hören. Die „Brejpottspöllers“, die Theater-AG der Erler Grundschüler führte „De Suppenschöttel“ auf dem Erler Sommerfest in der Aula der Grundschule auf.

Die Familie Svensson, rechts Michel, links wartet schon der Doktor an seinem Schreibtisch

Ingrid Horstmann, die Leiterin der AG, konzedierte den kleinen Laienschauspielern noch „en bettken Bukpiene“ vor der Premiere des Stückes. Zwei Kinder lasen die Geschichte zwischen den Spielszenen auf Platt vor. Zu Beginn stellten die Familienmitglieder der Familie Svensson sich und ihre Meinung über Michel selbst vor. Papa Svensson über Michel: „Wat sall ut den Junge blooß weern?“  Mama Svensson: „ Ik hebb mien Michel feste leev!“ Ida, Michels Schwester: „ Ik finn alls schön, wat Michel mäk!“, und der Knecht Alfred: „Michel is en schlauet Kerlken.“

Michels Kopf steckt in der Suppenschüssel fest

Dass er doch nicht ganz so schlau war, stellte sich heraus, als Michel, der so gerne „Ründfleessuppe“ mochte, beim Ausschlürfen des Suppenrestes sich den Suppentopf über den Kopf stülpte und darin steckenblieb. Da war guter Rat teuer. Kaputtschlagen ging nicht, denn sie Schüssel hatte schließlich 4 Kronen gekostet. Also spannte man den Wagen an und fuhr zum Doktor nach Mariannelund. Unterwegs hörte Michel an den Tierstimmen, dass sie am „Puggenhoff“ vorbeikamen, sehen konnte er ja nichts. Um eine teure „Operation“ kam Michel herum, weil er mit der Schüssel auf die Tischkante schlug, als er „en deepen Diener mäk“ vor dem Doktor, sodass die Schüssel in zwei Teile zersprang. Vor Erleichterung, Geld gespart zu haben, schenkte Papa Michel 5 Öre und alle machten sich auf den Heimweg.

Mit Bollerwagen und Spielzeugpferd umrundeten die Akteure zweimal die Aula bis zum Sprechzimmer des Doktors

Doch Michel wäre nicht Michel, wenn die Geschichte damit zu Ende wäre. Alsbald musste die Familie zum Doktor zurückkehren, weil Michel das Geldstück, das er in den Mund gesteckt hatte, unabsichtlich verschluckte.  „Ik kann mien eegenet Spaorschwien wessen un de fiev Öre genauso good in den Buk hebben wie dat Spaorschwien to Huss“, fand Michel die Situation auch noch lustig. Der Doktor entschied fachmännisch: „Operän is nich nöödig, dat Geldstück kömp in en paar Daage van sölws weer haruut.“  Dass die zusammengeklebte Schüssel dann doch noch von Mama Svensson kaputt geschlagen wurde, ist wieder Michel zu verdanken, der es schaffte, sich im Spiel zum zweiten Male die Schüssel über den Kopf zu stülpen. Der Doktor behielt Recht: Twee Daage läter goww Michel Papa fiev Öre trügge un dat was tomindens en klejnen Trost.

Die kleinen Schauspieler bekamen tosenden Applaus für ihr Spiel. Die „Bukpiene“ hatte sich in ein glückliches Lächeln aufgelöst ob der tollen Leistung.

Unterwegs hörte Michel die Tiere vom „Puggenhoff“

Offenes Singen des Heimatvereins Erle

Die ca. 50 Sängerinnen und Sänger genossen das Singen unter den alten Kastanien

Die Freude am Singen in der Gemeinschaft ist in Erle nach wie vor sehr beliebt. Die zahlreichen meist älteren Teilnehmer des offenen Singens des Heimatvereins Erle sangen am Sonntag mit Inbrunst einen bunten Strauß von Liedern aus alter und neuerer Zeit. Auf dem Programm standen Wander – und Fahrtenlieder ihrer Kindheit und Jugend, wie „Wenn die bunten Fahnen wehen“ oder „Wenn wir erklimmen schwindelnde Höhen“, aber auch Schlager wie „Die Caprifischer“ und die Europa-Hymne. Natürlich durfte zum Schluss auch das „Erlske Leed“ nicht fehlen. Begleitet wurde der Gesang von Norbert Sabellek, Susanne Aschenbrenner und Waltraud Buning an der Gitarre sowie Detlef Czymontek am Akkordeon. Das Jugendorchester der Erler Jäger unter der Leitung von Oliver Jahnich bereicherte die Veranstaltung mit Musikstücken aus Rock (Smoke on the water, The Final Countdown), Musical (Dschungelbuch) und Film (Mission: Impossible) und bekam viel Applaus für die Darbietungen. Zur Belohnung gab es für alle Teilnehmer Kaffee und selbstgebackenen Kuchen im Silvesterkindergarten.

Das Instrumentalensemble begleitete den Gesang
Das Jugendorchester der Erler Jäger unter der Leitung von Oliver Jahnich
Die Silvesterschüler säen Wildblumensamen aus

Neue Nahrung für die Bienen auf der Babywiese

Zwei dritte Klassen der Silvesterschule in Erle betätigten sich auf der Babywiese des Heimatvereins als Gärtner. Nachdem eine Fläche kultiviert worden war, säten sie unter Anleitung von Norbert Sabellek und Ingrid Horstmann auf dem Areal Wildpflanzensamen (Beehappy, Buchweizen, Kornblume, Ringelblume, Borretsch, Dill) aus. Anschließend wurde die Aussaat leicht eingeharkt und gewässert. Die dort stationierten Bienen dürften sich über die zusätzliche zukünftige Futterquelle freuen. Die Zusammenarbeit zwischen Silvesterschule und Heimatverein hat schon eine lange Tradition. Denn die Garten-AG der OGS betreut regelmäßig den Bauerngarten am Heimathaus. „So lernen die Kinder die ökologischen Zusammenhänge kennen und werden sensibilisiert für die Sorge um die wichtigste Fluggesellschaft der Welt, die Bienen“, erklärte Sabellek.

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Jens Effkemann spricht über die Arbeit des Volksbundes

Arbeit des Volksbundes ist mehr als die Pflege von Gräbern

Als Dankeschön für die Spende des Heimatvereins Erle an den Volksbundbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in Höhe von 475 € aus dem Spendenerlös seiner Ausstellung über den Ersten Weltkrieg hielt Jens Effkemann, Regionalgeschäftsführer des Bezirksverbandes Münster, im Erler Heimathaus einen Vortrag über die Arbeit des Volksbundes. Dabei erführen die Zuhörer, dass dessen Aufgabenfeld sich heute über die Pflege der Kriegsgräber hinaus erweitert hat um die Bereiche „Erinnern und Gedenken“ und „Jugend und Bildung“.

Gegründet wurde der Volksbund als gemeinnützige Bürgerinitiative vor exakt 100 Jahren, um die Mammutaufgabe der Bergung, Identifizierung und Bestattung der Kriegstoten des Ersten Weltkrieges in Angriff zu nehmen. Mittlerweile betreut er in 46 Staaten 832 Kriegsgräberstätten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Damit eingeschlossen sind alle „Opfer“ von Krieg und Gewalt, d. h. Bombenopfer, Kriegsgefangene sowie Opfer von Kriegsverbrechen und Flucht und Vertreibung. Noch heute werden Tote geborgen und identifiziert. Mit der Aktion „Toter sucht Angehörigen“ will man die Toten einer Viertelmillion Familien zuordnen, die nichts von deren Auffindung wissen.

Dass die Arbeit des Volksbundes mehr ist als die Pflege von Gräbern, beweisen zahlreiche Bildungspartnerschaften mit Schulen, die Schulprojekte und Ausstellungen, Vorträge und Lesungen sowie internationale Jugendbegegnungen organisieren. Letztere finden in den 4 europäischen Jugendbegegnungsstätten des Volksbundes statt, z. B. in Ysselstein auf der  deutschen Kriegsgräberstätte in der Nähe von Venlo.

Weil der Volksbund zur Finanzierung seiner Arbeit zu 65 % auf Spenden angewiesen ist – der  Rest kommt aus Bundesmitteln – ist er für jede Spende dankbar. 

Die Kinder stellen unter Hedwig Rentmeisters Anleitung Samenbomben her

Silvesterschüler sorgen für Insektennahrung

„Während heute die größeren Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz und Umwelt demonstrieren, wollen die Schülerinnen und Schüler der Silvesterschule in Erle auch einen Beitrag leisten für den Umwelt- und Naturschutz, insbesondere für die bedrohte Bienenwelt“, sagte Astrid Hudournik, Klassenlehrerin einer 2. Klasse. Unter Anleitung von Hedwig Rentmeister und Ingrid Horstmann vom Heimatverein Erle stellten die Kinder sogenannte Samenbomben her. In selbst geformte Lehmkugeln drückten sie Samenkörner. „ Die bienenfreundlichen Sämereien habe ich aus meinem eigenen Garten geerntet, z. B. Sonnenblumen, Ageratum, Fuchsschwanz und Targetes“, bemerkte Hedwig Rentmeister. Jedes Kind hatte sich einen Eierkarton mitgebracht, worin die Samenbomben gelegt wurden. Antonia erklärte, was mit den Kugeln weiter geschieht; „Wir verstreuen diese Kugeln überall, wo Blumen wachsen können, von denen die Bienen sich ernähren.“ Andere Kinder säten im Bauerngarten des Heimathauses Samen von Wildblumen und Gewürzpflanzen aus. Zudem durfte sich jedes Kind Biolandtütchen mit Samen, die Biobäcker Hubert Leiers gestiftet hatte, mit nach Hause nehmen, um dort mit dem Aussäen „vollen Einsatz für die Biene“ zu leisten. 

Erklärung: „Voller Einsatz für die Biene“ ist die Aufschrift auf den Biolandtütchen

Plattdeutscher Nachmittag des Heimatvereins Erle

Liebhaber der plattdeutschen Sprache kamen voll auf ihre Kosten. Im vollbesetzten Saal bei Brömmel Wilms bereiteten die großen „Brejpottspöllers“ des Heimatvereins Erle unter der Leitung von Ingrid Horstmann und der Mitwirkung von Hedwig Rentmeister, Doris Grunewald und Maria Pass den Besuchern mit ihren Stücken zum Schmunzeln zwei vergnügliche Stunden. Die „Brejpottspöllers“ sind eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die seit einigen Jahren Stücke in plattdeutscher Mundart aufführen.

Dem Geizhals schmeckt die Fischsuppe aus dem Aquarium

Menschliche Schwächen und Gewohnheiten wurden im urwüchsigen Erler Platt aufs Korn genommen, wenn Jüppken in „de Sünde“ dem dahin dösenden Lehrer die Uhr klaut, das Wasser des Aquariums dem Geizhals als leckere Fischsuppe dient und die neue Ehefrau mit der verbrannten „Ärftensuppe“ endlich den gewohnten Geschmack ihres Mannes trifft. Gespielte Szenen wechselten mit von Hannah Nienhaus gekonnt vorgetragenen Geschichten. Zwischendurch wurden bekannte Lieder gesungen, die Norbert Sabellek und Christiane Wittig (Gitarren) und Detlef Czymontek (Akkordeon) instrumental begleiteten.

Die verpasste Beichte

Die von Doris Grunewald selbst erlebte und aufgeschriebene Geschichte „Kinder häbbt uk Sorgen“ erinnerte viele der älteren katholischen Zuhörer an die auf ein vierwöchiges Intervall festgelegte Beichtpraxis ihrer Kindheit. Die kleine Doris hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie während eines Besuches bei ihrer Tante in Rhade nicht an der Samstagsbeichte ihrer Klasse in Raesfeld teilnehmen konnte. Um plattdeutsche Spezialausdrücke ging es in dem Stück „En Möhrchen is kenn Möhrken“. Der erfahrene „Schultenbuur“ konnte den Grund des Misserfolgs in der Kaninchenzucht seiner städtischen Verwandtschaft aufdecken, als er das Geschlecht der beiden Zuchtkaninchen untersuchte: „Doot daor es en Möhrken bie, dann sall datt wall klappen.“ Auf den Einwand, jeden Tag doch frische Möhren verfuttert zu haben, erwiderte der Schultenbuur: „Mä en Mörken is doch kenn Wöttelken. Daor meent man ümmer, de Studeerten wett als.“ Ein „Möhrken“ ist auf Platt ein Karnickelweibchen.

Das Tor zur Märchenwelt

Zum Schluss boten die „Brejpottspöllers“ ein mit viel Fantasie selbst geschriebenes Stück dar. Verschiedene Märchenfiguren betreten durch ein Tor die reale Welt der beiden Kinder Lilli und Rosa und versuchen dort ihre Aufträge auszuführen. Das führt zu witzigen Situationen. So sucht z. B. der Frosch einen Spielgesellen, finden Hänsel und Gretel nicht nach Haus, findet Rotkäppchen die „Beßmoder“ und Frau Holle ihr Bett nicht und bietet der Prinz aus Aschenputtel jeder immer wieder den gefundenen Schuh an, um seine Braut zu finden: „Wiss du nich denn Schoh probeern?“ Lang anhaltender Applaus belohnte die Akteure für ihre Kreativität und Spielfreudigkeit.

„In dieser Stunde treffen sich Präsident Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Stelle im Wald von Compiègne in Nordfrankreich, wo vor 100 Jahren der bis dato schrecklichste Krieg der Weltgeschichte mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandes zwischen Deutschland und Frankreich zu Ende ging, um eine neue gemeinsame Gedenktafel einzuweihen“, erklärte Carlo Behler bei der Eröffnung der Ausstellung des Erler Heimatvereins „Wir wollen mal eben hingehen“ Erle und der Erste Weltkrieg.

Andreas Cluse, Hannes Kempken und er haben das Kriegsende am 11.11.1918 zum Anlass genommen, um in einer Ausstellung an den Ersten Weltkrieg aus der Sicht des Dorfes Erle zu erinnern. Die Erle betreffenden Themen sind eingebettet in die allgemeinen Hintergründe über Ursachen, Anlass, Verlauf und Ende des Krieges. „Wie unter einem Vergrößerungsglas erfahren wir aus den beeindruckenden Schilderungen in der Erler Schulchronik des Lehrers Lammersmann über die ersten Kriegswochen und den Kriegsalltag etwas über die Begeisterung, die Hilfsbereitschaft, die Hysterie, aber auch die Beklemmung der Bevölkerung, wie das überall der Fall war“, so Behler.

Bild Johann Kappe: Er kritisierte in Feldpostbriefen den sinnlosen Krieg.

Herzstück der Ausstellung sind die Bilder und originalen Dokumente der Erler Kriegsteilnehmer, die Andreas Cluse in zahlreichen Porträts mit Totenzetteln und Sterbeurkunden zusammengestellt hat, sowie die Auszüge aus Feldpostbriefen, die Hannes Kempken ausgewählt hat. Die Stimmung unter den Soldaten gegen Ende des Krieges bringt Johann Kappe, der Großvater von Josef Kappe, in einem Brief eindrucksvoll zum Ausdruck: „Hier verloddert man. Die schönen Tage für nichts und wieder nichts. Bloß dass sich ein paar Herren nicht vertragen können. Meine Frau muss sich zu Hause bald totarbeiten, dass sie für sich und die Kinder was zu Leben hat. … Wenn wir doch satt zu essen kriegten. Es ist jetzt kein Leben mehr.“ Johann Kappe musste trotz seiner sechs Kinder in den Krieg ziehen. Er verstarb am 28.10.1917 in einem französischen Lazarett. Seine Erkennungsmarke befindet sich unter den Ausstellungsgegenständen. Andreas Cluse nannte eine Zahl, die Statistiker ausgerechnet hätten: „An jedem Tag des Ersten Weltkrieges sind statistisch 5600 Soldaten gestorben, d. h. in den 3 Minuten, die ich jetzt geredet habe, sind 9 Männer gefallen.“ Pfarrer Michael Kenkel fand es lobenswert, dass zur Eröffnung auch die Nachfahren der Soldaten eingeladen wurden: „Hier wird das Leid der Soldatenfamilien spürbar. Die Angehörigen können feststellen: ‚Das hier ist mein Opa‘ “. Den stellvertretenden Bürgermeister Holger Lordieck beeindruckte die Mühe, die sich die drei Initiatoren gemacht haben, um alles so detailliert darzustellen. Als Gastgeschenk erhielten die Gäste einen „Friedensstutenmann“ mit dem Zitat des römischen Dichters Silius; „Ein Friede ist besser als 100 Siege“.>

Am Sonntag war die Ausstellung dann für alle zugänglich. Zahlreiche Besucher nahmen die Ausstellung in Augenschein und diskutierten anschließend bei Kaffee und von Biobäcker Hubert Leiers gestifteten Kuchen über ihre Eindrücke. Gut angenommen wurde auch das Angebot, sich im Nebenraum Kurzfilme und Tondokumente des Krieges anzuschauen. Die Spenden der Besucher in Höhe von 400 € gehen übrigens an die Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Die Ausstellung ist bis Ende Januar jeden Sonntag in der Zeit von 15.00 – 17.00 Uhr geöffnet.

Steckrübensonntag beim Heimatverein Erle

Der Heimatverein Erle öffnet seine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg im Heimathaus, Silvesterstraße 5, noch einmal am Sonntag, 24.3., in der Zeit von 12.00 – 16.00 Uhr. In Erinnerung an den „Steckrübenwinter“ 1916/17 wird im Ausstellungscafé eine schmackhafte Steckrübensuppe angeboten.

Eine alte Tradition neu belebt

Am Vorabend des Maifeiertages wurde der Maikranz am Erler Ständebaum in Erle feierlich aufgehängt. Andre Wachtmeister vom Ortsmarketing, das die Veranstaltung organierte, begrüßte die Abordnungen der Vereine, die die Aktion mitgestalteten: die Landjugend Erle-Rhade, die den Maikranz zuvor gebunden hatte, die Erler Jäger, die die Veranstaltung musikalisch begleiteten, sowie den Schützenverein, die Feuerwehr und die Brejpottspöllers (Kinder der Plattdeutsch AG) vom Heimatverein Erle. Der stellvertretende Bürgermeister Hans-Dieter Strothmann wies auf die nunmehr 10-jährige Tradition des Maikranzaufhängens in Erle hin. Diese lange in Raesfeld gepflegte Tradition war in Erle nach der Errichtung des Ständebaums neu belebt worden. Die Landjugend brachte den Maikranz mittels eines Manitous, eines Teleskopladers, auf der Spitze des Ständebaums an, während die Erler Jäger „Der Mai ist gekommen spielten“. Anschließend konnten die Zuschauer den farbenfrohen Auftritt der Brejpottspöllers bewundern, die in alten Trachten zwei Reigenspiele auf Platt aufführten: „We will flietige Handwerker sehn, dänn mutt sick uise Kinder besehen“ und „Wies mi une Fööte, wies mi une Schoh un kiekt bi dänn flietigen Wassfrouen to“. Dabei wurden die angesprochenen Tätigkeiten der Handwerker bzw. der Waschfrauen in Szene gesetzt, z. B. bei „Steen op Steen“ Mauersteine aus Pappe übereinander gesetzt oder bei „De wassket den ganzen Dag“ Wäsche auf einem Waschbrett geschrubbt. Norbert Sabellek begleitete den Gesang auf seiner Gitarre. Zum Abschluss sang man die drei Strophen des „Erlsken Leedes“ (Erler Liedes). Anschließend ging es für viele zur Dorfgaststätte Brömmel-Wilms, um in den Mai hinein zu feiern.