Heimatverein und KFD planen Aktion am 8. Mai

Lasst Blumen sprechen! Diese alte Weisheit möchten der Heimatverein Erle und die KFD Raesfeld, Rhedebrügge und Erle in einer Sonnenblumenaktion am 8. Mai in die Tat umsetzen. Die Sonnenblume, in alten Mythen Symbol der irdischen Vergänglichkeit und der Liebe, soll vor allem an Menschen erinnern, die ihren Angehörigen und Freunden nahestanden, für die es z. T. aber keine Grabstätte (mehr) gibt oder deren Grab nicht erreichbar ist.

Frauen der KFD und des Heimatvereins haben kleine Zwergsonnenblumen herangezogen. Die Jungpflanzen werden am 8. Mai an der Kirche in Rhedebrügge sowie auf den Friedhöfen in Raesfeld und Erle an den Soldatengräbern zur Mitnahme zur Verfügung gestellt. Diese Gräber eignen sich am Tag des Kriegsendes besonders als Ort des Gedenkens. In Erle hat der Heimatverein an den Grabsteinen der Soldaten Informationsblätter über die Gefallenen angebracht.


Die Frauen der KFD und des Heimatvereins stellen die Sonnenblumenaktion an den Soldatengräbern in Erle vor: v. l. Brigitta Schneiders, Doris Groß-Bölting, Mia Pass, Martha Eming, Christel Springer und Ingrid Horstmann

Die Sonnenblumen können auf Gräbern oder im Garten gepflanzt werden oder auf Terrasse, Balkon und in der Wohnung als Kübelpflanze an Verstorbene erinnern. „Meine Sonnenblume wird mich in unserem Garten an meine verstorbene Patentante erinnern, die weit weg in der ehemaligen DDR beerdigt ist“, bemerkte Doris Groß-Bölting aus Rhedebrügge bei der Vorstellung der Aktion auf dem Friedhof in Erle. Martha Eming aus Raesfeld will ihre Blume ihren verstorbenen Verwandten in Kanada und Brigitta Schneiders ihre ihren fünf im Krieg gefallenen Onkeln widmen. „Ich werde meine Sonnenblume auf einer Grünfläche des Friedhofs in Gladbeck pflanzen, wo sich die aufgehobene Grabstelle meiner Eltern befand“, erklärte Christel Springer aus Erle.

Auch die evangelische Kirchengemeinde unterstützt die Sonnenblumenaktion und wird am Lukaszentrum in Raesfeld 5 Blumen zum Gedenken an die Opfer von Krieg, Terror und Rassismus pflanzen. Monika Neumann von der Flüchtlingshilfe wird Raesfelder Flüchtlingen Blumen zum Andenken an ihre Toten in der Heimat übergeben. So kann jeder auf seine Weise die Sonnenblume als Erinnerungssymbol nutzen.


Am Lukaszentrum sollen auch Blumen gegen das Vergessen gepflanzt werden: v. l. Wolfgang Warschewski (evangelische Kirchengemeinde), Monika Neumann (Flüchtlingshilfe), Hedwig Rentmeister (Heimatverein Erle)

Mit dem Foto „Steinkauzfamilie neben Röhre“ gewann der Heimatverein einen mit 500 € dotierten Preis des Westfälischen Heimatbundes (WHB). Dem Naturfotografen Alois Grunewald aus Erle war dieser seltene Schnappschuss nach langen Stunden des Ansitzens gelungen. Mit diesem Foto bewarb sich der Heimatverein beim Fotowettbewerb des WHB.

Der Altvogel mit drei Jungtieren neben der Steinkauzröhre

Denn der WHB hatte unter seinen Mitgliedsvereinen für das Thema des neuen Fotokalenders 2021 „Engagiert für Natur – Heimatakteure im Fokus“ einen Wettbewerb ausgeschrieben. Passend zu seinem Themenschwerpunkt „Zukunft der Dörfer“ nimmt der WHB damit nachhaltiges bürgerschaftliches Engagement für Natur im ländlichen Raum in den Blick. 

Der Kalender ist das Ergebnis des Wettbewerbs, der durch das Sponsering der NRW.BANK ermöglicht wurde. Aus den 129 Fotos von 34 Wettbewerbern wurden dann 12 Fotos für den Jahreskalender ausgewählt und prämiert; das des Heimatvereins Erle ist für den Juni vorgesehen.

Das Foto

Denn es war am 13. Juni 2020 um 21.48 Uhr in der Wiese des Bauern Heinrich Bente in der Bauernschaft Östrich in Erle, als Alois Grunewald auf den Auslöser seiner Kamera drückte. Seit ca. 19.30 Uhr hatte er unter der Kauzröhre auf einem Apfelbaum in ca. 8 m Entfernung, verborgen unter einem Moskitonetz, auf seine Chance gewartet. Es dauerte lange, bis sich das erste vorwitzige Käuzchen außerhalb der Röhre zeigte; denn die nachtaktiven Tiere werden erst in der Dämmerung munter. Der Altvogel flog immer wieder heran, um seine noch nicht flüggen Jungen mit Käfern zu füttern. Als dann die beiden anderen kurz vor Einbruch der Dunkelheit erschienen und das Alttier sich lautlos dazu gesellte, blieben Grunewald nur Sekunden, um das preisgekrönte Foto zu schießen.

Heimatvereinsvorsitzender Norbert Sabellek (links) und Naturfotograf Alois Grunewald mit einer Steinkauzröhre im Querschnitt
An einer solchen Röhre gelang dem Hobbyfotografen das prämierte Foto mit der Steinkauzfamilie

Der Fotograf

Der Naturfotograf fotografiert seit seinem 20. Lebensjahr. „Ich bin jetzt Rentner und habe viel Zeit für mein Hobby. Rumsitzen kann ich überhaupt nicht“, erklärte der Naturliebhaber, der bei jeder Gelegenheit im Freien mit der Kamera auf „Jagd“ nach Motiven in der Flora und Fauna geht. Schon seit den 90er Jahren bastelt der Heimatverein Niströhren für Steinkäuze, die z. T. aus alten Holzrolläden bestehen. „Wir haben zurzeit 14 Kauzröhren auf Obstwiesen in Erle, von denen dieses Jahr die Hälfte von Steinkäuzen genutzt wurde“, erläuterte Vereinsvorsitzender Norbert Sabellek. Im Frühjahr wird bei zwei Kontrollgängen die Belegung geprüft. Ab und zu findet man dabei neben Kauzeiern und Jungtieren auch Stare als Mieter. Das Preisgeld ist für weitere Naturschutzmaßnahmen des Vereins vorgesehen.   

Die Heimatfreunde bieten Kräuter und Stauden zum Tausch und Erwerb an

Auf der Babywiese an der Erler Mühle fand am Tag der deutschen Einheit die erste Kräuter- und Staudenbörse des Heimatvereins statt. Einige Gartenliebhaber hatten von ihren Stauden im Garten Ableger abgestochen und boten sie zum Tausch und Erwerb an, anstatt sie im Biomüll zu entsorgen.

Trotz des im Laufe des Nachmittags einsetzenden Regens kamen viele Hobbygärtner aus Erle und Umgebung, um gegen eine kleine Spende Stauden und Kräuter wie Margeriten, Dahlien, fette Henne, Stockrosen, Zitronenmelisse und Salbei mitzunehmen und ihren Garten damit auf preiswerte Weise zu verschönern. Erläuterungen und Pflanztipps gab es gratis dazu. Auch selbst gezogene Kräutersamen und Herbststäuße fanden ihre Abnehmer. Die Einhaltung der allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln war auf der weitläufigen Babywiese kein Problem. Das gespendete Geld fließt naturgemäß in weitere Pflanzungen auf der Babywiese und die Unterhaltung des Bauerngartens am Heimathaus.

Am 23. und 24. März 1945 wurde Erle bombardiert und der Ortskern erheblich zerstört. Ursprünglich wollte der Heimatverein Erle am Sonntag, 22. März, in zwei Gedenkveranstaltungen im Heimathaus und am Ehrenmal an die Bombardierung erinnern. Doch wegen des Verbots öffentlicher Veranstaltungen entfallen beide Termine. Daher möchte der Heimatverein auf einer Gedenktafel am Ehrenmal und auf seiner Homepage an dieses Ereignis erinnern.  

Die Zeitzeugin Elisabeth Kuhlmann, geb. Pieper, gibt in ihrem Bericht in dem Buch „Erle 1945“ den Zeitpunkt wieder, als am 23. März 1945 kurz vor 11 Uhr Flugzeuge Spreng- und Brandbomben über Erle abwarfen.

 „An diesem Morgen war kein Luftalarm gegeben worden. Meine Schwester Luzie und ich hoben mit Hilfe von Franz und Lambert Langenhorst auf unserem Hof zwei Ein-Mann-Löcher aus. Es muss gegen elf Uhr gewesen sein – unsere Ein-Mann-Löcher waren gerade zur Hälfte fertig – als wir die Flugzeuge hörten. Gesehen haben wir die erst, als sie über dem Hof Kuhlmann-Telm waren. Lambert Langenhorst rief: „Die klinken aus!“Mit dem gleichen Atemzug sprang er über den Hofzaun und suchte in einem Ein-Mann-Loch auf dem Nachbargrundstück Deckung. Franz und ich sprangen in das eine halbfertige Ein-Mann-Loch, meine Schwester in das andere.

Die Häuser Langenhorst und Pieper, vom zerstörten Kirchturm aus unten links zu sehen

Luzie, die bei ihrem Sprung in das Loch von einem umherfliegenden Steinbrocken in den Rücken getroffen wurde, hat mir später erzählt, dass sie ein Geschwader von 6 Flugzeugen gezählt habe. Ich selbst hörte einen lauten Knall, dem mehrere Erschütterungen folgten. Ringsherum wurde es dunkel. Um uns herum flogen Steine, Holz- und Glassplitter. Der von der aufgewühlten Erde verursachte Staub war so dicht, dass man die Umgebung kaum noch erkennen konnte. Wir hörten unsere Mutter unsere Namen rufen. Sie kam aus dem Haus gestürmt. Keiner wusste, was passiert war. Zusammen liefen wir dann in Richtung Kuhlmann-Telm, um uns in den dort angelegten Schutzgräben in Sicherheit zu bringen. Von dort aus sahen wir, wie Rauch aus dem Turm unserer Kirche drang. Erst jetzt wurde uns klar, dass die Flugzeuge unsere Kirche getroffen hatten.

Die zerstörte St.-Silvester-Kirche beim Wiederaufbau 1949

Wir liefen, als die Flugzeuge weg waren, ins Dorf. Aus der Kirche schlugen lichterloh die Flammen. In unserem Haus waren durch die Explosionen die meisten Fensterscheiben zerstört. Die Türen und Rollladen hingen schief in den Angeln.“

Viele Häuser im Ortskern wurden getroffen und erheblich zerstört oder brannten aus, ebenso der Kirchturm, der im Laufe des Tages umkippte. In den folgenden Tagen kam es zu erneuten Bombenabwürfen und Tieffliegerangriffen auch in den Bauernschaften. Der Krieg, den Nazideutschland 1939 mit den Überfall auf Polen gegen die Staaten Europas begonnen hatte, brach über Erle herein und brachte auch hier Tod und Zerstörung.

Schulkinder spielen im Bombentrichter

Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat das in seiner viel beachteten Rede vom 8. Mai 1985 – 40 Jahre nach Kriegsende – so formuliert:

„ Während des Krieges hat das NS-Regime viele Völker gequält und geschändet. Am Ende blieb nur noch ein Volk übrig, um gequält und geschändet zu werden: das eigene, das deutsche Volk. … Die anderen Völker wurden zunächst Opfer eines von Deutschland ausgehenden Krieges, bevor wir selbst zu Opfern unseres eigenen Krieges wurden.“

Hauptlehrer und Heimatforscher Fritz Sagemüller: Er und zwei russische Kriegsgefangene wurden getötet, während sie am damaligen Lehrerhaus in der heutigen Silvesterstraße neben der heutigen Grundschule letzte Sicherungsmaßnahmen wegen der erwarteten Bombenangriffe vornahmen. Seine Familie überlebte währenddessen in den Schutzräumen im Keller des Hauses.

Zu den Opfern der Bombenangriffe auf Erle zählten Hauptlehrer Fritz Sagemüller, Regina Henneböhl und Johanna Langenhorst sowie zwei russische Kriegsgefangene. Insgesamt sind in Erle bei den Bombardierungen und Tieffliegerangriffen sowie bei den Gefechten beim Einmarsch der Alliierten am 28. März 35 Soldaten gefallen: 26 deutsche, 6 englische, 2 russische und ein Amerikaner. Einige davon sind auf dem Erler Friedhof beerdigt. Doch nicht alle der in den 18 Soldatengräbern beerdigten Toten sind in Erle gefallen.

Das Haus Henneböhl wurde getroffen und Regina Henneböhl getötet

WIR GEDENKEN DER OPFER

Wir Erlerinnen und Erler gedenken der in Erle 1945 zu Tode gekommenen Menschen und darüber hinaus auch der Millionen im Zweiten Weltkrieg gefallenen und in Kriegsgefangenschaft ums Leben gekommenen Soldaten:

  • aus Erle
  • aus Deutschland
  • aus allen anderen Ländern, die vom Krieg betroffen waren.

 Wir gedenken auch aller anderen Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft:

  • der Millionen Zivilisten, die bei Bombardierungen und Kriegshandlungen sowie durch  systematische Ermordung und Verhungern zu Tode kamen.
  • der 6 Millionen Juden, die in Konzentrationslagern ermordet wurden.
  • der Sinti und Roma, der Homosexuellen und der Geisteskranken, die aufgrund einer unmenschlichen Ideologie umgebracht wurden.
  • der Menschen, die wegen ihrer politischen und religiösen Überzeugung Widerstand leisteten und deswegen sterben mussten.

WIR LERNEN AUS DER GESCHICHTE

Die NS-Ideologie hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaft und Hass zu schüren. Wir lernen aus der eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, die Menschheit sei anders und besser geworden. Auch heute leiden viele Menschen auf der Welt unter Kriegen und sind Vorurteilen, Gewalt und Terror ausgesetzt. Viele kommen als Flüchtlinge und Hilfesuchende zu uns. Vorurteile und Hass gegen diese Menschen und Andersdenkende sind in den Medien, besonders in den sogenannten sozialen zu finden. Die Morde von Hanau zeigen uns, dass Hass in offene Gewalt umschlagen kann.

WOFÜR WIR EINSTEHEN

Wir setzen symbolisch ein Zeichen, indem wir uns plakativ gegen Vorurteile, Hass, Gewalt und Kriege in der heutigen Zeit wenden. Wir  entzünden Lichter für die Werthaltungen, für die wir als Menschen und Christen in unserer Gesellschaft und in Erle einstehen.

Gedenkstätte des Heimatvereins am Ehrenmal in Erle
Die Worte des Gedenkens, die auf dieser Seite stehen, sind auch am Ehremmal zu lesen.

Unsere Geschichte lehrt uns, dass Hasspropaganda und verbale Herabwürdigung der Nährboden für Entmenschlichung ganzer Bevölkerungsgruppen, z. B. in Begriffen wie „Untermenschen“ oder „lebensunwertes Leben“ waren.

Wir sprechen uns aus gegen abfällige Reden, Hasskommentare und anonyme Beschimpfungen im privaten und vor allem im öffentlichen Diskurs.

Wir stehen ein für R E S P E K T und zivilisierte Umgangsformen im Miteinander.

Unsere Geschichte lehrt uns, dass die staatliche und soziale Diskriminierung der jüdischen Minderheit und der Sinti und Roma letztendlich im Holocaust endeten.

Wir sprechen uns aus gegen pauschale Vorurteile und Diskriminierung von Minderheiten aufgrund ihres Aussehens, ihrer andersartigen Kultur und Religion.

Wir stehen ein für T O L E R A N Z gegenüber Minderheiten wie Flüchtlingen und Zuwanderern und für einen Umgang, der von Achtung vor der Würde des Mitmenschen geprägt ist.

Unsere Geschichte lehrt uns, wie der Überwachungsstaat der nationalsozialistischen Diktatur die Freiheit der Menschen beschnitt.

Wir sprechen uns aus gegen jegliche Diktatur und Autokratie, ganz gleich, ob sie auf nationalistischen, kommunistischen oder islamistischen Weltanschauungen basiert.

Wir stehen ein für D E M O K R A T I E, Machtkontrolle und Rechtsstaat, der die Meinungsvielfalt zulässt und die Freiheit der Menschen schützt.

Unsere Geschichte lehrt uns, dass zwei Weltkriege unermessliches Leid über Europa gebracht haben.

Wir sprechen uns aus gegen gewaltsame Lösung von Konflikten in Form von Kriegen und Gewalt gegen Leib und Leben.

Wir stehen ein für eine gewaltfreie Austragung von Konflikten und für F R I E D E N zwischen Völkern, Nationen und Religionen. Wir sind dankbar für 75 Jahre Frieden in Deutschland und in der europäischen Union.

Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Erle

Gut besucht war die Jahreshauptversammlung auch dank des Erscheinens junger Leute und Familien

Ein Blick in die Runde zeigte den Wandel: Nicht nur das klassische Klientel der älteren Mitbürger, sondern auch junge Familien mit Kindern und junge Erwachsene konnte der Vereinsvorsitzende Norbert Sabellek unter den 70 Teilnehmern des Jahreshauptversammlung begrüßen. Dem Verein ist es gelungen, durch seine Schwerpunktsetzungen auch junge Leute für die Heimatarbeit zu begeistern.    

Zusammenarbeit zwischen Schule und Heimatverein

Seit Jahren schon bringen die 4 Mentorinnen den „Brejpollspöllern“, den Grund- und Sekundarschülern  der Plattdeutsch-AG, durch Spielen, Singen, Sprechen und Lesen die Erler Mundart spielerisch bei, weiß Doris Grunewald zu berichten. Der Andrang zu der AG sei groß; denn den jungen Schauspielern mache es einen Riesenspaß, in Altenheimen, an Seniorennachmittagen, beim Maikranzaufhängen, auf dem Sommerfest und am Plattdeutschen Nachmittag Sketche, Reigen, Märchen und selbstgeschriebene Stücke in Erler Platt aufzuführen. Die „grooten Brejpottspöllers“ schreiben zurzeit an einem Plattdeutsch-Krimi: Tatort Erle. Durch das Hobby ihrer Kinder kommen auch deren Eltern zum Heimatverein.

Die Brejpottspöllers und ihre Mentoren

Gleiches gelte auch für die Garten-AG am Heimathaus, in dem die Kinder erfahren, wie gesät, gepflegt und geerntet wird, berichtet Ingrid Horstmann. Als die Lokalzeit des WDR in Erle an der Femeiche drehte, präsentierten die Kinder in dem Filmbeitrag, wie sie Eicheln unter der Femeiche sammeln und diese im Heimathausgarten zu Eichensetzlingen heranziehen, die dann mit Zertifikat verkauft werden. Zudem baut die Natur- und Vogelschutzgruppe des Vereins regelmäßig mit den Kindern der OGS Nistkästen. Für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Heimatverein wurde der Verein vom Landrat Dr. Zwicker bei der Verleihung des Heimatpreises des Kreises Borken mit einer Urkunde und 200 E besonders gewürdigt.

Babywiese mit Heimatpreis ausgezeichnet

Ein weiterer Bereich, in dem Kinder und Jugendliche sich für die Heimatarbeit engagieren, ist die Babywiese, auf der mittlerweile 60 Obstbäumchen gepflanzt wurden, für die Kinder als Baumpaten fungieren. Jeden ersten Samstag im Monat treffen sich Kinderpaten und ihre Familien auf der Wiese, um Pflegearbeiten durchzuführen und neue Beete anzulegen. So wurden auch unter Mitwirkung von Grundschulklassen eine Wildblumenwiese, ein Kräuter- und ein Sumpfbeet angelegt. Drei dort stationierte Bienenvölker sorgen seit einem Jahr für die Bestäubung der Bäume und Pflanzen. Für 6 neu gepflanzte Birnen- und Apfelhochstämme konnte der Heimatverein ortsansässige Vereine (Schützenverein, Eintracht Erle, die KLJB Erle-Rhade, die Silvesterschule, Imkerverein Raesfeld) sowie den ehemaligen Vereinsvorsitzende Klaus Werner, dem Ideengeber für eine Babywiese, als Baumpaten gewinnen und die Verbundenheit der Vereine mit dem Heimatprojekt Ausdruck verleihen. Insbesondere die Landjugend war mit Tat- und Maschinenkraft eine unersetzliche Hilfe beim Ausbau der Babywiese.

Vertreterinnen und Vertreter von Eintracht Erle, der Landjugend und dem Imkerverein präsentieren auf der Babywiese als Baumpaten ihre Baumschilder und Patenurkunden.

Beim Interview von Norbert Sabellek mit Baumpatenkindern machten diese einige gute Vorschläge für die künftige Arbeit und Freizeitgestaltung: Bau eines Geräteschuppens, Paprikazüchten, eine Infotafel für die Babywiese sowie Gerichtsspiel an der Femeiche und gemeinsame Ausflüge. Für das Projekt Babywiese erhielt der Heimatverein den drittplazierten Heimatpreis, der mit 1000 € dotiert ist. In der Begründung der Preisverleihung wird insbesondere der ökologische und soziale Effekt der Babywiese als Biotop für Pflanzen und Insekten und die Einbeziehung von Familien und Vereinen bei der Anlage und Pflege des landschaftlichen Idylls hervorgehoben.

Gang nach Emmaus

Hildegard Gülker berichtet von der Arbeit der „Koffieköppkes“. Seit 10 Jahren haben die Seniorinnen und Senioren 16 Ordner alter Fotos mit Namen und Ereignissen zusammengestellt und Totenzettel archiviert. Beides soll in den nächsten Jahren digitalisiert und auf der Homepage zugänglich gemacht werden. Auch Texte über altes Brauchtum wurden verfasst wie „De Pingsterbrut“ und „Denn Versehgang“. Für den Osterpfarrbrief erscheint ein Bericht über den „Gang nach Emmaus“. Das Evangelium des 2. Ostertags nahmen junge Leute früher als Anlass, nach den Entbehrungen der Fastenzeit an diesem Tag einen feucht-fröhlichen „Emmaus-Gang“ in die Gasthäuser des Dorfes zu unternehmen oder den Nachbarort einzubeziehen, wie im Jahre 1873, als Raesfelder Junggesellen nach Erle kamen, um den Erler Kirchturm zu vermessen zum Beweis, dass er kleiner war als der Raesfelder, aber von den Erlern mit einem „Güllesegen“ vertrieben wurden.

Touristenattraktion Femeiche

Die Femeiche ist nach wie vor Anlaufpunkt für viele Besucher aus aller Welt. In das Gästebuch der Eiche haben sich u. a. Besucher aus Spanien, Russland, Japan und Australien eingetragen wie auch das Filmteam, das im Januar für #münsterlandliebe in der Lokalzeit des WDR spontan in Erle drehte. Eine Juristin habe augenzwinkernd vermerkt, berichtet Carlo Behler, dass das Femegericht unter der Eiche eindeutig gegen heutige Rechtsmaßstäbe verstoßen habe: Öffentlichkeitsgrundsatz, Anwesenheit des Angeklagten und richterliche Beweisführung. Im November brachte Fernsehen und Hörfunk des WDR Berichte über die Bedeutung des 1000-jährigen Baumes anlässlich der Baumschnittarbeiten zur Entfernung des Totholzes.

Gedenktag am 22. März

Hubert Leiers weist auf den Gedenktag des Heimatvereins am 22. März anlässlich der der Bombardierung Erles vor 75 Jahren am 23.3. 1945. Ab 11 Uhr soll im Heimathaus bei einer von ihm zubereiteten Gemüsesuppe mit Zeitzeugenberichten der Zerstörung Erles gedacht werden. Um 18.30 Uhr wird am Ehrenmal unter Beteiligung mehrerer Vereine der Opfer von Kriegen, Diktatur und Verfolgungen gedacht werden.

Programm 2020/21

Das laufende Jahr bietet den Heimatfreuden wieder viele interessante Programmpunkte: u. a. ein offenes Singen, einen Ausflug in die Glockenstadt Gescher, eine Betriebsbesichtigung auf dem Hof Stegerhoff, das alljährliche plattdeutsche Theater und den Besuch des jüdischen Museums in Dorsten. Zudem stehen größere Umbauarbeiten im Heimathaus an. Das ehemalige Badezimmer wird zu einer behindertenfreundlichen Toilette umgebaut, die Küche bekommt einen neuen Belag, die Treppe einen zusätzlichen Handlauf und vor dem Eingang wird eine feste Rampe gebaut. Soviel wie möglich wird die Rentnergruppe des Vereins bei der Renovierung tatkräftig Hand anlegen.

Weil die Versammlung am internationalen Frauentag stattfand, nahm Norbert Sabellek diesen Gedenktag zum Anlass 7 besonders verdienstvolle Frauen mit einem Blumengeschenk zu ehren. Auch Hubert Leiers als ein Hauptsponsor des Vereins und Tobias Honvehlmann von der Landjugend als tatkräftiger Helfer auf der Babywiese wurden geehrt. Die Versammlung endete mit einem amüsanten Rückblick in Bildern und Filmen auf das vergangene Jahr und dem „Erlsken Leed“.

Wat sägg uis dat?

„Wi willt uis vandage en pleseerliken Naomidagg maaken“, kündigte Ingrid Horstmann den Besuchern die Aufführungen der „grooten Brejpottspöllers“ (Sekundarschüler der Plattdeutsch-AG) an. Mit viel Engagement hatten sie und die anderen Mentoren der AG Hedwig Rentmeister, Doris Grünewald und Mia Pass mit den Jungschauspielern kleine Sketche in Erler Platt eingeübt.

Fabeln

Der Fuchs luchst dem blasierten Raben den Käse ab

Auf dem Programm standen zuerst bekannte Fabeln: „Den Raawe un den Foss, den Foss un den Zeggenbuck un den Möller, sien Sonn un den Ässel“. Mit der rhetorischen Fage „Wat sägg uis dat?“ wurde zum Schluss die Moral der Fabeln beschrieben: die Dünkelhaftigkeit des Raben, die Leichtgläubigkeit des Ziegenbocks sowie das Bemühen, es allen recht machen zu wollen: „Daorüm doo du ümmer bloß dat, wat du sölws für richtig häöls – un lat de Löö praoten.“

Müller und Sohn tragen den Esel, um es den Leuten recht zu machen

„Nix wegschmitten“

Beim nächsten Vortrag ging es um die Veränderung der Lebensgewohnheiten und des Ortsbildes in Erle in den letzten Jahren. Hieß es früher : „Nix wegschmitten, et wött alles noch ebrukt.“ – aus ökologischer Sicht eigentlich fortschrittlicher als die Wegwerfmentalität heutzutage – hat die deutsche Frau heute „hunnertachtien  Kleddungsstücke in’t Schapp un de Kerls dreeunsewenzig. Un de Hälfte daorvan wött  gar nich annetrocken un weggeschmetten.“ Die jungen Leute machten sich in selbst geschriebenen Texten Gedanken darüber, „wat sik in öhr Lääwen un in Erle verännert häw.“

De Drej, de alls bäter wätt

Beim Sketch um Klatsch und Tratsch hatten die Brejpottspöllers sich Figuren, Utensilien, Text und Regie ganz allein ausgedacht. „De Drej, de alls wätt – un meestied sogar bäter“  zogen über Bekannte und Nachbarn her und der schwerhörige Opa verstand alles falsch.

Loriot-Sketch

Zum Schluss führten die jungen Schauspielerinnen den bekannten Loriot-Sketch „Dat Klaveer“ auf. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich über die zahlreichen Pannen, die bei der Anlieferung eines Klaviers aus Massachusetts bei Familie Schulte-Schöttelkamp passieren. Die Videoaufnahmen für die edle Spenderin über die inszenierte Ankunft des Klaviers aus Amerika müssen ständig abgebrochen und wiederholt werden.

Gefilmte Anlieferung des Klaviers im Loriot-Sketch „Dat Klaveer“

Mit lang anhaltenden Applaus bedankten sich die Zuschauer bei den Brejpottspöllers und den Gitarrenspielern Norbert Sabellek und Christiane Wittig, die die Gesangseinlagen begleiteten. 

Die Brejpottspöllers und ihre Mentoren bekommen viel Applaus

Zum ersten Mal verlieh die Gemeinde Raesfeld im Jahre 2019 Heimatpreise für besonderes ehrenamtliches Engagement. Dabei erhielt der Heimatverein Erle den drittplatzierten Heimatpreis, dotiert mit 1000 €, für das Projekt „Babywiese“. Den ersten Platz (2500 €) belegte der Heimatverein Raesfeld mit seinem Projekt „Digitalisierung der Fotosammlung des Raesfelder Fotografen Ignaz Böckenhoff“, den zweiten Platz (1500 €) die Bürgerstiftung Raesfeld-Erle-Homer für ihre Projekte. Insgesamt waren 7 Bewerbungen bei der Gemeinde eingegangen. 

v.l.: Hans Brune (Heimatverein Raesfeld), Bürgermeister Andreas Grotendorst, Jutta Bonhoff (Bürgerstiftung Raesfeld-Erle-Homer), Norbert Sabellek (Heimatverein Erle), Luc Hudournik (Silvesterschule Erle)

Bei der Vergabe des Preises an den Vorsitzenden Norbert Sabellek betonte Bürgermeister Andreas Grotendorst, dass das Anpflanzen von Obstbäumchen für Babys und Kleinkinder auf der Babywiese zur frühkindlichen Auseinandersetzung  mit der Natur anrege.

72 Obstbäumchen stehen mittlerweile auf der Wiese

Im November 2020 wurden in einer weiteren Pflanzaktion 12 Zwergstämme unterschiedlicher Obstsorten im westlichen Bereich der Wiese neu gepflanzt. Damit erhöht sich die Zahl der „Babybäume“ auf 72. Auch der gebürtige Erler Franz-Josef Brand kam mit seiner Familie aus Frankfurt zu der Pflanzaktion in seinen Heimatort Erle. Dort pflanzten er und seine Frau Ulla gemeinsam mit Tochter Sarah und Schwiegersohn Robert Ackermann ein Birnbäumchen für Enkelin Lena.

Robert und Sarah Ackermann haben eine Williams-Christ-Birne für Töchterchen Lena gepflanzt
Arnold Krafczik pflanzt mit Tochter Elke und ihrem Mann Thomas Becker ein Bäumchen für Enkelin Anni (an der Hand ihres Onkels René)

Trotz der Corona-Pandemie gingen auf der Wiese die Ausbauarbeiten weiter. Die Wege wurden mit Holzhäcksel neu befestigt und im hinteren Bereich wurd ein neues Biotop angelegt.

Neben den Zwergstämmen wurden 2020 auch 6 Apfel- und Birnen-Hochstämme angepflanzt, deren Patenschaft Erler und Raesfelder Vereine übernommen haben (siehe unten). Insgesamt zieren zudem 3 Wildblumenflächen, ein Stufenkräuterbeet, ein Sumpfbeet, 2 Staudenbeete und ein Blühstreifen entlang dem Zaun das Biotop.

Eigene Wasserversorgung durch neuen Brunnen

Der Brunnen

Auf der Erler Babywiese gibt es seit Frühjahr 2020 einen Brunnen, aus dem das weitläufige Areal mittels eines Schlauches bewässert  werden kann.Bisher musste das Wasser in einer Wassertonne herbeigeschafft werden. Mit der Unterstützung von Sponsoren konnte nun ein Brunnen gebohrt werden. Damit wurde die Firma Bonhoff aus Raesfeld beauftragt. Und so entstand unmittelbar am Eingangstor der Wiese eine 33 m tiefe Brunnenanlage, aus der das Wasser mittels einer in einem 15 cm breiten Rohr hängenden Pumpe gefördert werden kann. Für das Gießen ihrer Bäumchen steht den Baumpatenkindern zudem ein Wasserwürfel zur Verfügung, der jetzt regelmäßig mit Brunnenwasser aufgefüllt werden kann.   

Thomas Kock (links) mit seinem Sohn Tristan und der Vereinsvorsitzende Norbert Sabellek vor der Schaltanlage des neuen Brunnes

Die elektrische Schaltanlage für die Pumpe wurde von der Firma Gernemann aus Schermbeck-Weselerwald gebaut und finanziert. „Wir finden das Projekt „Babywiese“ sehr gut. Dieses wird ja von vielen Erlerinnen und Erlern unterstützt. Und deshalb wollten wir mit der Elektroanlage unseren Teil dazu beitragen, dass Wasser aus dem Brunnen gepumpt werden kann“, begründet der Erler Thomas Kock, Inhaber der Firma Gernemann, sein Engagement.

Gestaltung der Babywiese

Der Schützenvereinsvorsitzende Arno Brömmel (links), der Heimatvereinsvorsitzende Norbert Sabellek (Mitte) und der ehemalige Vorsitzende Klaus Werner (rechts) legen Hand an bei der Anpflanzung der Hochstämme

Am 21.02.2020 wurden zum ersten Mal 6 Hochstämme (alte Apfel- und Birnensorten) angepflanzt, für die der Schützenverein Erle, Eintracht Erle, die KLJB Erle-Rhade, die Silvesterschule, der Imkerverein Raesfeld sowie der ehemalige Vereinsvorsitzende Klaus Werner, der vor Jahren die Idee für eine Babywiese hatte, die Patenschaft übernahmen. Insbesondere die KLJB, die Silvesterschule und der Imkerverein engagieren sich auch bei Ausbau und Gestaltung der Obstwiese.

Im Jahre 2019 wurden in Zusammenarbeit mit Grundschulklassen eine große Wildblumenwiese und ein Kräuterbeet angelegt. Der Erler Imker Jürgen Heider siedelte in einem Bienenstand 4 Bienenvölker auf der Babywiese an. 

So ist das Langzeitprojekt mittlerweile zu einem ökologischen Biotop für Pflanzen und Insekten und zu einem landschaftlichen Idyll gereift, an dem Eltern mit ihren Kindern regelmäßig die Pflanzen pflegen und an der Erweiterung des Areals arbeiten. Besucher dieses Parks werden zum Verweilen eingeladen.

Silvesterschülerinnen und -schüler sähen eine Blumenwiese ein

Wie alles anfing

Am 04.11.2017 pflanzten 18 Familien insgesamt 32 Obstbäumchen auf einem Wiesengrund hinter der Erler Mühle. Nachdem die Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäumchen gepflanzt waren, hatten die Kinder Spaß, ihre mit einem Namensschild versehenen Pflanzen tüchtig zu gießen. Anschließend wurde diese 1. Pflanzaktion kräftig gefeiert.

Der ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins Klaus Werner hatte eine Babywiese auf einer Reise durch Thüringen kennengelernt und sie dem Vorstand vorgestellt. Auf einer Wiese pflanzen Eltern für ihren Sprössling einen Obstbusch. Das Kind wird mit diesem Bäumchen groß, baut eine Beziehung zu ihm auf und erntet seine Früchte.

Um solch ein Projekt in Erle durchführen zu können bedurfte es eines Grundstückes und eines Sponsors. Elisabeth Grundmann stellte dem HV Erle eine Wiese zur Verfügung und die Volksbank Erle war von dem Vorhaben so überzeugt, dass sie den Verein mit einer stattlichen Summe von 5500 Euro bedachte.

Somit konnten im Herbst 2016 die ersten Rodungsarbeiten und Aufbereitungen des Bodens beginnen. Ein Eingangsportal wurde geschaffen und ein Staketenzaun gesetzt. Fleißige Helfer aus dem Verein und die Landjugend waren wichtige Stützen in dieser ersten Schaffensphase.
Nachdem Wege angelegt und Blumenwiesen gesät, ein von Holzstämmen eingefasster Spielbereich für Kinder geschaffen waren, hatte die Babywiese eine Struktur.

Das Gartenjahr 2018 stellte für den Verein dann eine besondere Herausforderung dar. Die lang anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen seit Mai setzten besonders den jungen Obstbäumchen zu, die noch kein ausreichendes Wurzelwerk entwickeln konnten. Es musste regelmäßig Wasser zu der Babywiese herangefahren werden. In manchen Phasen musste täglich gegossen werden.

Kinder helfen beim Pflanzen ihrer Obstbäumchen

Alle Pflanzen haben dieses Trockenjahr zu aller Freude überlebt. Ende April 2018 veranstalte der Verein ein Frühlingstreffen auf der Babywiese. Bei Kaffee, Saft und Kuchen trafen sich die Familien der Obstbäumchen, um sich gedanklich auszutauschen und den Kindern einen weiteren Kontakt zu ermöglichen. Bei Kinderliedern zum Frühling konnten einige Kinder in einem Kostüm in eine bestimmte Rolle schlüpfen und hatten großen Spaß daran.

Über das gesamte Jahr sind auf der Babywiese Pflegearbeiten notwendig. Diese werden von Vorstandsmitgliedern, engagierten Familien und der Landjugend durchgeführt.

Am 03.11.2018 gab es eine 2. Pflanzaktion mit weiteren 19 Bäumchen. Das erste große Pflanzfeld ist damit mit 51 Obstbäumchen komplett bestellt.

Ansprechpartner: Norbert Sabellek (Tel. 02865/6646)

Kreis Borken vergab Heimat-Preise

Zusammen mit drei anderen Vereinen wurde der Heimatverein Erle bei der Verleihung des Heimat-Preises des Kreises Borken für sein ehrenamtliches Engagement bei der Kooperation zwischen Silvesterschule und Heimatverein gewürdigt und erhielt 200 € als Anerkennung.

Der Landrat des Kreises Borken Dr. Kai Zwicker und der Vorsitzende des Heimatvereins Erle Norbert Sabellek präsentieren im Kreishaus Borken die Auszeichnung mit den Frauen der Plattdeutsch-AG, von links: Hedwig Rentmeister, Ingrid Horstmann, Mia Pass, Doris Grunewald sowie Andreas Cluse (Zweiter Vorsitzender) und Wilhelm Stilkenbäumer, Vorsitzender des Kreistagsausschusses für Kultur und Sport

Erstmals hatte der Kreis Borken in diesem Jahrunter dem Motto „Lust auf Heimat?!“ Heimat-Preise für Heimatprojekte ausgelobt. Die 32 eingereichten Projekte oder Aktivitäten wurden anhand folgender Kriterien bewertet:
– Förderung der regionalen Identität und des Heimatbewusstseins
– Förderung gelebter Traditionen und Bräuche
– Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des Gemeinwohls
– Innovation des Projektansatzes
– Möglichkeit von generationsübergreifendem Erleben
– Nachhaltigkeit der Projektidee
– Übertragbarkeit

Die Anerkennungsurkunde des Landrats

Diesen Kriterien konnte der Heimatverein Erle mit seinem Bestreben, den Schülerinnen und Schülern ihren Heimatort näher zu bringen, in vielfältiger Weise genügen. Seit 20 Jahren leiten Frauen des Vereins die Plattdeutsch-AG  der Schule. Die OGS betreut den Bauerngarten am Heimathaus und Grundschüler helfen bei der Pflege der Babywiese mit ihren Obstbäumchen. Weitere Kooperationspartner sind Erler Familien, Firmen und Senioren. Den Kindern wird so in Projekt und Unterricht der heimatliche Natur- und Kulturraum auf verschiedene Weise vermittelt.

Die mit insgesamt 10.000 € dotierten Heimatpreise gingen an folgende Vereine: 1. Preis: Heimatverein Suderwick für sein grenzübergreifendes Projekt mit der Bürgerinitiative Dinxperwick (Dinxperlo in Holland und Suderwick), 2. Preis: Heimatverein Burlo-Borkenwirthe für das Bemühen, Kinder und Jugendliche mit modernen, übertragbaren Formaten für die Heimat zu begeistern, 3. Preis: Förderkreis der Synagoge Epe für den Erhalt der jüdischen Synagoge.      

Am 23. November 2019 besichtigte der Heimatverein Erle die Großküche im Annastift in Dorsten. Der Erler Andreas Nagel, Küchenchef in dieser hochmodernen Küche, führte die Erler Heimatfreunde durch das „Paradies“, wie er liebevoll seinen Arbeitsplatz nennt.

Die Erler Heimatfreunde lauschen dem Vortrag von Andreas Nagel

Bei Kaffee und Kuchen erfuhren die Besucherinnen und Besucher einiges über den beruflichen Werdegang und das Aufgabengebiet des 47-jährigen Erlers. Seit nunmehr 26 Jahren arbeitet er in der Küche des von der Caritas betriebenen Alten- und Pflegeheims St. Anna, zurzeit als Chef von 60 Beschäftigten. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass in den letzten Jahren moderne Küchenautomaten angeschafft wurden, die es ermöglichen, jeden Tag in relativ kurzer Zeit 2.300 Essensportionen zu kochen. Neben den Bewohnern des Heims erhalten viele Schulen und Kindergärten sowie „Essen auf Räder“-Abonnenten das Mittagessen aus der Hightech-Küche.

Andreas Nagel erklärt die Zubereitung in einem „SelfCookingCenter“

Beim Gang durch die Küchenräume waren die Besucher erstaunt darüber, dass es dort weder Herde noch Kochtöpfe und Pfannen gab. Das Essen wird in sogenannten „SelfCookingCentern“ oder „VarioCooking Centern“ zubereitet. Wo früher viele Geräte eingesetzt wurden, zaubert heute ein einziges Gerät ein komplettes Menü. Als „all in one“-Gerät können die Cooking Center unterschiedliche Speisen kochen, braten, dämpfen, dünsten, grillen, blanchieren und pochieren. Sämtliche Überwachungs- und Kontrollaufgaben übernehmen sie selbst: Temperatur, Garzeit, und Bräunungsgrad werden z. B. mit Hilfe hochsensibler Sensoren automatisch eingestellt. Das Geheimnis dieser Alleskönner: Mit Heißluft, Dampf und einer Kombination aus beiden werden unterschiedliche Speisen automatisch und gleichzeitig zubereitet. Das spart enorm viel Zeit gegenüber den verschiedenen Kochvorgängen traditioneller Art.

Andreas Nagel erklärt das Verteil- und Belieferungssystem

Speisen, die nach außerhalb ausgeliefert werden, werden erforderlichenfalls heruntergekühlt, damit der Nährwert erhalten bleibt. Eine Flotte von Lieferwagen bringt das Essen in die Einrichtungen und holt nachmittags dass schmutzige Geschirr wieder ab. In der vollautomatischen Spülstraße wird es dann gereinigt.

In der vollautomatischen Spülstraße wird das Geschirr gespült

Die Erler Heimatfreunde waren sehr beeindruckt darüber, wie leistungsfähig eine solche Hightech-Küche ist. Manch einer wünschte sich solch einen solchen SelfCooking-Automaten auch für Zuhause. Doch Andreas Nagel nahm Ihnen die Hoffnung: „Solche Vollautomaten lohnen sich nur in Großküchen.“  So muss der Erler Heimatfreund wohl weiterhin „self-cooking“ betreiben und mit Herd, Topf und Pfanne vorlieb nehmen. 

Das plattdeutsche Lustspiel in drei Akten  „Theo un de Wiever“  von Jennifer Hülser wurde im Oktober/November 2019 von der Plattdeutschen Theatergruppe des Heimatvereins Erle aufgeführt.

Diese Laienspielgruppe versteht es jedes Jahr aufs Neue, mit viel Witz und Humor Szenen in plattdeutscher Sprache auf die Bühne zu bringen. Dabei werden Jung und Alt angesprochen, es ist für jeden etwas dabei.

Zum Inhalt: Mutter Helga (Eva Fölting) möchte ihren längst erwachsenen Sohn Theo (Benny Bente) endlich an die Frau bringen und erwartet sich dabei Hilfe von der Typberaterin Eleonore Dünnfrack (Larissa Grömping). Auch Theos bester Freund Hans Kuller (Christoph Ossing) will ihm helfen. Er engagiert für Theo die Prostituierte Dame Chantal Château (Annette Krampe), um ihn auf den Geschmack zu bringen. Doch dem armen Theo verschlägt es angesichts der „leichten Dame“ im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache. Er kommt mächtig ins Stottern. „Scha… Scha… Schantalle“.

Annabell (Helene Dickmann), das Hausmädchen ist jedoch schon länger in Theo verliebt, aber Theo hat nur Augen für seine Briefmarken und trinkt Kamillentee linksgerührt. Seine Verehrerin Annabell hingegen lässt sich einiges einfallen, um ihre Nebenbuhlerin loszuwerden. In der Folge kommt es zu zahlreichen Verwechselungen. Der Elektriker Paul Blitz ( Bernd Klaus) wird für Chantals Zuhälter „Rocko“, das Rohr gehalten und gefesselt, obwohl er nur die Steckdose reparieren will. Mutter Helga verbringt eine gemeinsame Nacht mit Rocko, Chantal wird mit Rizinusöl und Typberaterin Eleonore mit Schlaftabletten mattgesetzt. Doch letztendlich entscheidet Annabell die Situation für sich und bekommt ihren Theo.

Die Akteure überzeugten in ihren Rollen durch passende Kostüme und ausdrucksvoller Mimik und Gestik und manchen menschlichen „Macken und Ticks“.

Die sechs Vorstellungen waren alle ausverkauft. Die Zuschauer hatten ihren Spaß: Es blieb kein Auge trocken vor Lachen!